16.03.2015

Evangelische Landeskirche startet Ideenwettbewerb

Alle Württemberger können sich beteiligen

Stuttgart, 16. März 2015. Im Jahr 2017 begehen evangelische Christen das Jubiläum „500 Jahre Reformation“. Mit seinem Thesenanschlag 1517 hat Martin Luther nicht nur die Welt der Kirche grundlegend verändert. Auch die Gesellschaften in Deutschland, Europa und weltweit wurden von seinen Ideen fundamental beeinflusst und sind von ihnen bis heute geprägt.


Neue Ideen kennenzulernen, positive Veränderungen herbeizuführen und viele Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen dazu zu bewegen, sich wie Martin Luther immer wieder aufs Neue mit ihrem Glauben, ihrer Kirche und der Gesellschaft auseinanderzusetzen und sich aktiv und positiv einzubringen – das ist die Idee des einzigartigen, langfristigen und größten Wettbewerbs der Evangelischen Landeskirche in Württemberg unter dem Motto „Kirche macht was. Aus deiner Idee!“.


„Eine lebendige Volkskirche ist eine Kirche mit öffentlichem Anspruch. Das wird deutlich, indem wir die Beteiligung und die Ideen von Menschen nicht nur zulassen, sondern zu solcher Beteiligung aktiv aufrufen – mit allen zeitgemäßen Medien. Der Ideenwettbewerb ist eben nicht nur irgendein ‚Wettbewerb‘, sondern Teil unserer ureigenen Aufgabe. Unsere Aufgabe ist es, das Evangelium öffentlich bekannt zu machen, Glaube, Hoffnung, Liebe zum Tagesgespräch werden zu lassen. Eben genau das, was Luther und die Reformation mit dem ‚Priestertum aller Gläubigen‘ meinten: gesellschaftliche und christliche Themen auf ganz breiter Basis zu diskutieren“, so Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July.

 

Schritt raus aus den Kirchenräumen

Der Ideenwettbewerb der Landeskirche startet am 21. März 2015. Neun reformatorische Grundthemen, die im 21. Jahrhundert aktueller sind denn je, bilden eine Stafette bis ins Jubiläumsjahr 2017. Im laufenden Jahr 2015 stehen die Themen „Beziehung des Menschen zu Gott“, die „Informationsüberflussgesellschaft“, der „Wert des Menschen“ und die „Verfügung über die Zeit“ auf der Agenda.


Für die einzelnen Themen wurden u. a. bekannte Bibelverse ausgewählt und zu einer herausfordernden Frage und Aufgabenstellung umgewandelt. So lautet die erste Frage – sie ist aus Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ abgeleitet: „Der Herr ist mein Hirte. Bin ich ein Schaf?“. Der Psalm steht für das unmittelbare Verhältnis jedes Einzelnen zu Gott. Die ironische Spitze „Bin ich ein Schaf?“ soll die Menschen dazu bewegen, ihr Umfeld zu hinterfragen, sich eine eigene Meinung zu bilden und aktiv zu werden. Jeder Württemberger kann bei diesem ersten Thema aus vier Kategorien – Rede, Gedicht, T-Shirt oder Sonstiges – das für ihn passende auswählen und dafür eine kreative Idee, ein innovatives Projekt oder eine künstlerische Umsetzung einreichen.


„Der Ideenwettbewerb ist aus meiner Sicht ein mutiger Schritt raus aus den üblichen Kirchenräumen“, erklärt Dr. Christiane Kohler-Weiß, die Reformationsbeauftragte der württembergischen Landeskirche. „Das entspricht dem Anliegen der Reformation, dass alle Menschen von der Liebe Gottes erfahren. Dazu übersetzte Martin Luther die Bibel ins Deutsche. Sein Motto: Man solle auf ‚die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt‘ hören und ‚denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden‘. Erst dann könne man sie in ihrer Sprache ansprechen.“ Kohler-Weiß weiter: „Heute sind die Rollen nicht mehr so verteilt wie früher. In verschiedenen sozialen Milieus spricht man verschiedene Sprachen, und ein Großteil der Kommunikation findet im Internet statt. Ein Ideenwettbewerb, der sich an Menschen in ganz verschiedenen Lebenskontexten richtet und über verschiedene, auch digitale Medien verbreitet wird, nimmt diese Anliegen der Reformation darum in zeitgemäßer Form auf.“


Auch Inge Schneider, die Präsidentin der württembergischen Landessynode, unterstützt den Ideenwettbewerb: „Die vorige und die aktuelle Landessynode haben den Ideenwettbewerb mit initiiert und entscheidend auf den Weg gebracht. Wir begleiten ihn eng. Dabei sind der Synode mehrere Elemente wichtig, die im Ideenwettbewerb zum Zuge kommen: die Kommunikation des Evangeliums hinein in Kirche und Gesellschaft, dazu die Aufnahme neuer Ideen und Impulse aus den Gemeinden und weit darüber hinaus. Möglichst viele sollen sich beteiligen können. Es gibt so viel Kompetenz und hervorragende Ideen, die so besser wahrgenommen und umgesetzt werden können.“

 

Mit kirchenunabhängiger Jury

Obwohl sie Initiator und Träger dieses Ideenwettbewerbs ist, entscheidet nicht die Evangelische Landeskirche über die eingereichten Wettbewerbsbeiträge und über die Gewinner, deren Projektverwirklichung die Unterstützung der Kirche erhält, sondern die Web-Gemeinde und eine kirchenunabhängige Jury. Beide sollen die Breite der Gesellschaft repräsentieren. „Dieser Ideenwettbewerb bietet allen Menschen in Württemberg die Möglichkeit, aus ihrem Versteck herauszutreten und die Kreativität spielen zu lassen. Es ist die Möglichkeit, nicht immer nur über die Kirche zu schimpfen, sondern selbst mitzugestalten, Teil zu werden und Denkanstöße zu geben“, so Jurymitglied und Radiomoderatorin Nadja Gontermann.

 

www.kirche-macht-was.de

Alle Wettbewerbsbeiträge werden auf der Webseite „kirche-macht-was.de“ veröffentlicht. Sie stehen dort jeweils für einen begrenzten Zeitraum zum Public Voting bereit. Jeder kann so online alle Ideen und Projekte ansehen und an der Vorauswahl der besten Einreichungen mitwirken. Hier finden Interessierte auch alle weiteren aktuellen Informationen zum Ideenwettbewerb. Ein Blog begleitet die Themen, gibt Anregungen und Hilfestellungen für Teilnehmer und Bewerber. Auch auf Facebook und Twitter können Interessierte die aktuellen Entwicklungen und neuesten Projekte verfolgen und sich einbringen. Auf YouTube gibt´s das Ganze im Bewegtbild.

 

Nicht nur für Kirchenmitglieder

Jede und jeder – ganz gleich ob in der Kirche oder nicht – ist eingeladen, mitzumachen. Alle haben die Möglichkeit, sich einzubringen, sich zu beteiligen und ihre kreativen Projektideen mit verschiedenen Kooperationspartnern zu verwirklichen. So werden beispielsweise die Siegerfilme der Ausschreibungskategorie „Kurzfilm“ beim Thema „Gottes Wort spricht alle an. Ich höre nichts.“ im Dezember 2015 bei der 21. Filmschau Baden-Württemberg gezeigt.


Die Initiatoren hoffen, dass von Anfang an und in den nächsten Jahren viele Württemberger teilnehmen und sich aktiv mit ihren eigenen Ideen am gesellschaftlichen und religiösen Diskurs beteiligen – ganz im Sinne der Reformation. „Bis Ende 2017 wünschen wir uns viele ungewöhnliche, inspirierende und damit modellhafte Ideen, die wir als Leuchtturmprojekte zur handfesten Umsetzung bringen“, sagt Kirchenrat Dan Peter, der Vorsitzende des Lenkungskreises für den Ideenwettbewerb. „Wir wollen auch über die aktuellen Kommunikationsplattformen eine offene Gesprächs- und Beteiligungskultur etablieren, ganz nah dran an den Menschen und damit auch an ihren Fragen, Interessen und Problemen – Kirche mitten im Leben.“

Oliver Hoesch
Sprecher der Landeskirche

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